Das Frauenschuh-Projekt


Unsere Kreisgruppe ist im Jahr 2011 mit einem GlücksSpirale-Projekt zum Frauenschuh in Oberfranken beauftragt worden. Dabei ging es um den jetzigen Zustand der einzelnen Wuchsorte. Diese wurden nach dem vorliegenden FFH-Schlüssel bewertet, da es sich bei dieser Orchidee um eine Art handelt, die in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union, also dem Europäischen Naturerbe, explizit erwähnt ist.

Bei der Untersuchung ging es aber auch darum, ob diese Pflanze, die ja auch in den borealen Nadelwäldern vorkommt, bei uns aufgrund des Klimawandels am Ende des Jahrhundert überhaupt noch anzutreffen sein wird.

Durchgeführt wurde die Studie von unserem Geschäftsführer Diplom-Geograph Peter Ille und gefördert aus Gewinnen der GlücksSpiral. Dennoch sind wir für Spenden zur Aufbringung der restlichen Kosten dankbar, da bei solchen Projekten auch immer ein Eigenanteil von 15% bleibt.

Unser Konto hat die Nummer 9023722 bei der Sparkasse Bayreuth, BLZ  773 501 10.

Den vollständigen Forschungsbericht können Sie hier herunterladen.

Vielleicht ist es kein Wunder, dass uns diese wichtige Arbeit übertragen wurde, denn unsere Ortsgruppe Betzenstein-Plech betreut seit Mitte der 1990-er Jahre den größten Wuchsort des Frauenschuhs in Oberfranken. So konnte dort durch gezielte Pflegemaßnahmen die Anzahl der Blüten von 400 auf 1200 gesteigert werden. Ein weiterer Orchdeen-Wald im südlichen Landkreis Bayreuth konnte mit Hilfe des Landratsamts Bayreuth erworben werden. Auch dort hat sich durch unsere Bewirtschaftung die Anzahl der Pflanzen in den letzten fünf Jahren fast verfünffacht.

Orchideen haben schon immer die Menschen mit ihren erstaunlich schönen Blüten fasziniert. Gleichzeitig sind sie aufgrund ihrer hohen Standortansprüche sowie ihrer oft schwierigen Verbreitungsmöglichkeiten, sowohl Indikatoren für Umweltbedingungen als auch nur zu oft Sorgenkinder des Natur- und Artenschutzes.
Der Frauenschuh (wissenschaftlich: Cypripedium caceolus) wiederum ist unter den heimischen Orchideen die mit Abstand attraktivste aufgrund seiner Blüten, die eher an ein tropisches Gewächs erinnern als an den borealen Nadelwald. Er ist aber auch die Art mit den am längsten reifenden und schwersten Samenkapseln aller heimischen Orchideen.
Der Frauenschuh ist ein Rhizom-Geophyt mit einem mehr oder weniger horizontal kriechenden Wurzelstock, der mit Fasern und Schuppen versehen ist. Im Frühjahr entwickeln sind an einem bis mehreren Stängeln daraus wenige hellgrüne ansehnliche Laubblätter. Diese werden bis 19 cm lang und 11 cm breit. Der Blütenstand wird bis 18 cm hoch und hat eine bis drei Blüten. Diese Blüten sind die größten und auffälligsten aller europäischen Orchideen. Sie haben eine gelbe Unterlippe und braune Perigonblätter. Im Inneren befinden sich zwei kleinere fertile und ein größerer steriler Staubbeutel. Dieser überdeckt die schildförmige Narbe. Auch die Kapselfrüchte sind die größten aller europäischen Orchideen. Sie sind bis 54 mm lang, davon bis 23 mm der Stiel, und bis 11,5 mm dick. Die Fruchtreife dauert vier Monate und ist wiederum eine der längsten aller europäischen Arten dieser Pflanzenfamilie. Die Lebensdauer eines Frauenschuhs-Stocks wird mit 20 Jahren und mehr angegeben, was wiederum zu den längsten der europäischen Arten zählt.
Die Pflanzen wachsen in lichten Mischwäldern und deren Rändern auf kalkhaltigen Lehm und Tonböden. Es handelt sich um Halbschatten-Pflanzen, die Fichten oder Kiefern in ihrer Nähe brauchen. Gerne kommen sie dort mit anderen Orchideen wie der Echten Händelwurz (Gymnadenia conopsea), den beiden Berg-Hyzinthen (Platanthera bifolia und P. chlorantha) oder dem Roten und dem Weißen Waldvögelein (Cephalanthera rubra und C. damasonium) vor.

Wird es den Frauenschuh in Oberfranken am Ende dieses Jahrhunderts noch geben?

Wird es also diese Orchidee am Ende unseres Jahrhunderts in Oberfranken noch geben? Die Antwort ist eindeutig: Es kommt darauf an.
Es kommt darauf an, wie stark und wie schnell sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten erwärmen wird. Einige Erwärmung wird diese Pflanze sicherlich von sich aus wegstecken können. Weitere Faktoren zu ihren Gunsten mögen im kleinklimatischen Bereich liegen, also ob sich ein Vorkommen nord- oder südexponiert befindet. Aber auch große Sturmereignisse haben natürlich kleinklimatische Auswirkungen. So mag nach Windbruch mehr Licht willkommen sein, aber es wird dadurch im Sommer wärmer und im Winter kälter. Aber auch mit vermehrten Sturmereignissen müssen wir rechnen. Hoffnung mag auch geben, dass wir wohl nicht auf die Wald-Kiefer als Forstbaum von noch gewisser Bedeutung verzichten werden müssen, und dass die jüngst erschienene Studie des Bundesamtes für Naturschutz den Frauenschuh in die geringste Risiko-Kategorie einstuft. In erster Linie wird es also darauf ankommen, ob es uns gelingt – weltweit und schnell – die anthropogene Emission von Treibhausgasen merklich zu reduzieren. Waldbauliche Maßnahmen, zum Beispiel initiiert von einem Gebietsbetreuer, können in den nächsten Jahrzehnten auf jeden Fall flankierend sehr hilfreich sein.

Bayreuth, Januar 2012, August 2017, Peter Ille