Streuobstbestand - Beschreibung einer Biotopart

Obstwiese bei Mistelgau (BN betreut)
Obstwiese bei Stierberg (BN betreut)
Obstwiese bei Stierberg (BN betreut)

Die Kreisgruppe Bayreuth betreut derzeit Biotopflächen von gut 60 ha. Davon gehören elf Biotope zu der Kategorie Streuobstbestand.

Artenschutz/Naturschutz/Landschaftsschutz
Traditionell bewirtschaftete Streuobstbestände mit großkronigen Bäumen prägten über Jahrhunderte v.a. in Franken das Bild der Kulturlandschaft. Sie lieferten nicht nur schmackhaftes Obst für vielfältige Verwendungs-zwecke, sondern besitzen auch eine große Bedeutung für den Arten-, Grundwasser-, Klima- und Landschaftsschutz.

Paradiese aus Menschenhand
Streuobstbestände wurden vom Menschen geschaffen. Durch die Kombination von "Baum" und "Wiese"und einer hohen Strukturvielfalt (z.B. Blüten, Baumhöhlen, Wiesenkräuter) entstanden quasi nebenbei optimale Lebensbedingungen für viele seltene Tier- und Pflanzenarten, wie Steinkauz, Wendehals, Wiedehopf, Siebenschläfer, Abendsegler oder Pflaumenglucke.
Ein einziger Apfelbaum bietet Lebensraum für 1.000 wirbellose Tierarten. 40 verschiedene Vogelarten wurden in Streuobstbeständen gezählt. Die bunt blühenden Wiesen beherbergen 5.000 bis 6.000 verschiedenen Tierarten.
Streuobstbestände sind angesichts der Nutzungsintensivierung in der Landwirtschaft oft letzte Refugien für bedrohte Arten, gleichzeitig aber auch unersetzliche Trittsteine und zentrale Elemente für die Biotopvernetzung.

Wertvolles Kulturerbe
Streuobstbestände sind Zeugnisse einer jahrhundertealten naturschonenden Landbewirtschaftung und damit Teil unseres Kulturerbes. Dazu gehören aber auch die über 1.000 Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Kirschensorten, die für verschiedenste Standortbedingungen und Verwendungszwecke gezüchtet wurden.
Klangvolle Namen zeugen heute von der Wertschätzung vieler Generationen: Ob "Kaiser Wilhelm", "Paradiesapfel", "Champagnerrenette" oder "Pastorenbirne" - die genetische Vielfalt solcher Sorten hat nur im Streuobstbau eine Zukunftschance.

Umweltschutz als Zugabe
Streuobstbestände werden ohne Intensivdünger und Spritzmitteleinsatz bewirtschaftet. Einen effektiven Grundwasserschutz gibt es dabei quasi als kostenlose Zugabe. Das Wurzelsystem der Bäume, Gräser und Wiesenkräuter verhindert vor allem in Hanglagen Erosionsschäden; als Windschutz und Frischluftproduzenten dienen Streuobstbestände aber auch dem Klimaschutz.

Erfolge und Verbündete
Bereits 1984 hat der Bund Naturschutz durch eine Landtagseingabe erreicht, dass es staatliche Förderprogramme für die Besitzer von Streuobstbeständen gibt und auch für die Neuanpflanzung ein Zuschuss gezahlt wird.
Unsere Ortsgruppe Betzenstein hatte in diesem Zusammenhang eine große Pflanzaktion mit insgesamt 64 Obstbäumen durchgeführt und damit zur Erweiterung der Streuobstbestände einen wichtigen Beitrag geleistet.
Da Apfelbäume ein Wirtschaftsgut sind, darf der Besitzer sie im Prinzip fällen, falls sie nicht besonders geschützt sind. Wird eine Streuobstwiese verkauft, ist der BN daher sehr daran interessiert, dass diese in gut Hände gelangt.

Erfahren Sie mehr über

Die Streuobstwiese – Lebensraum und Naturparadies aus Menschenhand

auf den Webseiten des Landesverbandes Bayern.

Autoren: Gerhard Zeidler, Eckhard Sabarth, Johannes Lüers (2017); Bildquellen: Peter Ille